Ein Nachtrag

Liebe Leser.

Ich wollte euch das nicht vorenthalten.

Auf vielfachen Wunsch hin gibt es mein Buch “ Neunzehn Achtel Oma und Opa “ nun auch als ebook Ausgabe. Ich kann schon verstehen, dass sich einige Leute nicht mehr so gerne mit gedruckten Büchern die Regale vollstellen wollen. Obwohl mir selber ja ein gedrucktes Buch immer noch lieber ist, aber so ist ein Jeder anders.

 

Zu erhalten beim Buchhändler eurer Wahl.

Ich wünsche euch allen ein schönes 2017

eure Hanna

Tagebuch über meine Eltern

Liebe Leser!

Nun ist es zu Ende.

Das Tagebuch über meine Eltern

Jeder, der aufmerksam gefolgt ist, kennt es.

Da ich aber für mich nun wirklich abschließen will, hat dieser Blog sich verändert und wird auch nicht mehr regelmäßig weitergeführt.

Verändert in der Form, dass man nicht mehr alle Kapitel und Unterkapitel lesen kann. Wer doch lesen will, muss sich also nun das Buch zulegen.

Das Buch ist ja trotzdem noch ein wenig anders, da hier ja die Anfänge der Erkrankung meiner Muddi, der Krankenhausaufenthalt und die, wie ich immer noch finde, viel zu kurze Reha, sowie mein sturer Vaddi, der nicht umziehen wollte, etwas ausführlicher beschrieben sind.

Nichts desto trotz, wer fertig gelesen hat ist wohl auch fertig.

Mir hatte das Schreiben sehr geholfen, ich konnte nun endlich gut abschließen.

17 Ordner mit verschiedenem Inhalt, die ich für meine Eltern angesammelt hatte, sind in einen einzigen Ordner geschrumpft.

4 Jahre, Jahre voller Liebe und Zuneigung, in denen ich überrascht, traurig, wütend und verzweifelt war, haben sich tatsächlich nur noch in eine sehr schöne Erinnerung an meine Eltern gewandelt. Ich denke gerne an die beiden und manchmal träume ich auch von ihnen. Und dann kann Muddi ganz normal laufen, Radfahren, Bücher lesen und Vaddi schält die Kartoffeln, die er eben mit seinem Auto eingekauft hat. Alles fühlt sich dann so normal an. So normal, wie ihr langes Leben auch war.

Also möchte ich mich bei meinen treuen Lesern recht herzlich bedanken. Bedanken für die Likes, bedanken für die Kommentare, persönlichen Emails und für die Anteilnahme.

Schön, euch kennengelernt zu haben.

Als wirklich letztes Abschließen kann man nun den Film auf youtube ansehen, den ich damals erstellt hatte. Siehe Kapitel 44.

> Klick auf das Filmchen < Gedanken, die…

Eure Hanna

 

Demnächst auch als Buch

 

Da ich schon von einigen Leuten darauf angesprochen wurde, habe ich mich nun doch entschieden, meine Erlebnisse als Buch zu veröffentlichen. Das Buch ist eigentlich schon lange fertig, aber da meine „Berühmtheit“ nicht mit der von Daniela Katzenberger zu vergleichen ist, wollte sich kein Verlag darauf einlassen.

Und so wird es im Selbstverlag bei Epubli erscheinen.

Den neuesten Druck muss ich also noch einmal probelesen und eventuell verbessern und dann geht es los.

Der Titel des Buches wird lauten:

Neunzehn Achtel Oma und Opa

Warum das Buch so heißen wird, merkt man erst in den letzten Seiten, aber mich hatte etwas so berührt, dass ich genau diesen Titel wählen musste.

Wen es interessiert, der kann gespannt sein.

Liebe Grüße von Hanna

 

Meine Eltern werden alt Teil 42

Meine Eltern werden alt  Teil 42

 

Ich nehme donnerstags das meiste aus Muddis Schrank im Krankenhaus schon mal mit, es ist mit der Schmutzwäsche eine große Reisetasche voll. Den Rest können die Muddi ja mitgeben, am Freitag. Da muss ich arbeiten.

Freitags nach Feierabend (ich war die Einzige, die keine Überstunden machen wollte, nette Kollegin ich…) besuche ich im Heim erst Muddi, den Hausarzt habe ich auf dem Flur kurz gesprochen, als er Muddi gerade untersucht hatte.

„ Bitte besorgen Sie für Ihre Mutter eine Gehhilfe“, sagte er. Ich verstand ihn nicht. Im Krankenhaus hatte ich ja auch schon mal solche komischen Gestelle gesehen, wo der Patient mit den Achseln draufhängt, um besser laufen zu können. Vielleicht meint er so etwas. „Nein, ihren Rollator“. Nun musste ich feststellen, dass man den Rollator vergessen hatte mitzuschicken!!!

Vaddi hatte Gott sei Dank seinen dicken Stuhlknubbel endlich ausgesch…, ich war ja heute auch mit einem Einwegklistier aus der Apotheke bestückt.

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass mich die Ausscheidungen meiner Eltern jemals interessieren, ja, ob ich das überhaupt hätte wissen wollen, heute geht mein Leben darum, habt ihr Pippi und Groß gemacht, war es dick oder dünn, habt ihr Hunger oder Durst…

 Ich habe dann Vaddi zu Muddi gebracht, der bei ihren Anblick auf dem Sofa sofort in riesige Tränen ausgebrochen ist, er hat Muddi auf den Mund geküsst. Danach sind sie in den 3 Minuten, die ich sie allein gelassen habe, beide auf dem Sofa eingeschlafen.

Vaddi ist zum Essen runter, es hatte nicht geklappt mit dem Essen in der Stationsküche. Ohne Muddi oben essen wollte er nicht. Muddi wurde im Rollstuhl abgeholt.

 

Ich bin dann also zum Krankenhaus gefahren, um den Rollator zu holen. Keine Entschuldigung hatte ich auch erwartet, ich war froh, dass man ihn jetzt nicht noch stundenlang suchen musste. Ich bin so müde, früher hätte ich einen Aufstand gemacht, heute bin ich dankbar, dass man mich anhört (so von oben herab…)

Ich bin dann also kurz vor 19 Uhr wieder im Heim. Vaddi sitzt noch im Speisesaal. Er schläft am Tisch. Vor ihm steht eine umgedrehte Kaffeetasse, unbenutztes Besteck und ein Apfel. Er wird wach, freut sich, als er mich sieht und sagt „guten Morgen“ (Moin sagt er schon lange nicht mehr…)

Apfel

Ich frage irritiert, ob er denn noch gar nicht zu Abend gegessen hätte. Es gab auch keinen Tee mehr. „Nein“, sagt er, „aber es geht wohl gleich los.“

Die 3 Männer vom Nachbartisch waren nach eigenen Angaben satt, Vaddi war aber auch rechtzeitig dort und ich sause in die große Küche.

„Ich lasse ihren Vater doch nicht verhungern“ sagt die irritierte Heike von der Küche. „Und Obst hat er ja auch bekommen!“ Und die Kaffeetasse und das Besteck hatte sie beim Abräumen schon für morgen früh hingestellt. (Die müssen ja auch sehen, wie es weitergeht…)

Ich sage Vaddi, dass er satt sei, weil er vor 30 Minuten ja zu Abend gegessen hatte und erst morgen früh zum Frühstück wieder etwas bekäme.

Er ist mit der Antwort zufrieden, „dann gibt’s eben erst morgen wieder was“, schaut auf die Uhr (19 Uhr…) „Geht dann ja auch gleich los“, sagt er, „solange gehe ich noch eben nach oben“.

Laut singend verlässt er den Speisesaal, die 3 Männer grinsen hinter uns her…

Ich verabschiede mich schon am Aufzug im 2. Stock von ihm, ich kann einfach nicht mehr. Er freut sich, wünscht mir eine gute Fahrt nach Hause, ich soll mal alle grüßen, „ komm gut nach Hause und ruf an, wenn du angekommen bist…“

Muddi liegt bereits ausgezogen im Bett, „wer ist denn da?“ Ohne Zähne ist sie kaum zu verstehen. Ich stelle den Rollator ab, wünsche eine gute Nacht und kaufe anschließend eine Kiste Jeverbier für Claus und mich.

Es ist ja Wochenende!!!

 

Meine Eltern werden alt – Teil 41

Meine Eltern werden alt – Teil 41

2.2.13

Muddi geht’s einigermaßen. Sie hat immer noch ihren Blasenkatheter, nach 2 Bluttransfusionen sieht sie im Gesicht schön sonnengebräunt aus, sie trinkt zu wenig und bekommt deshalb eine Infusion, leider alles rechts, was sie durch die Hemiparese links jetzt auch wieder beim Essen und Trinken behindert.

Sie schickt wohl den Physiotherapeuten wieder weg, es sei ihr alles zu anstrengend, mit den Schwestern geht’s aufs Klo und zum Waschen. Aber sie läuft keinen Schritt, nicht mal mit Hilfe, es sind 2 Leute nötig, die ihr helfen. Mittagessen gibt’s am Tisch im Rollstuhl, sie isst sehr wenig und ist froh, wenn sie wieder im Bett ist.

Natürlich ist ihr alles fremd hier, Veränderungen haben ihr in letzter Zeit ja noch nie gut getan.

Vaddi ist immer noch verwirrt. Die Uhrzeiten, die die Schwestern ihm nennen, stimmten nicht, es sind nicht seine Zeiten. Aber es sei ihm egal, wenn sie am Abend zu ihm sagen würden, es gäbe Frühstück, kleine Scherze sind ja erlaubt.

child-145288__180Er hat den Tag/ Nachtrhythmus total umgekehrt und geistert pausenlos, vor allem nachts, durch das ganze Haus.

3.2.13

Muddi, hat wieder eine Infusion, sie liegt im Bett und will da auch sein. Getrunken hat sie, seit sie gestern bei mir gerne 6oo ml Eistee getrunken hatte, wohl auch nichts mehr. Es reicht aber auch nicht, dass man es ihr einfach nur hinstellt!

Auch das Essen bekommt sie einfach so hingestellt, zum Beispiel Schnitzel und das Besteck ist oben in einer Serviette zusammengerollt. Sie wissen eigentlich, dass Muddi eine Hemiparese hat. Und eine Pflegestufe.

Ich versuche, mich zusammenzureißen…

Die Schwestern im Pflegestützpunkt sind allesamt nicht besonders freundlich.

Mit dem Sozialdienst vom Krankenhaus haben wir uns geeinigt, dass Muddi die erforderliche Reha im Heim ambulant macht, anstatt irgendwann in einem weit entfernten Klinikum.

„Hier in der Nähe gibt es keine Geriatrische Reha“, hatte man mir gesagt.

Geriatrische Reha, wie sich das anhört! Für meine Mutter. Geriatrie!

Und wieso liegt sie nicht jetzt auf einer geriatrischen Abteilung? In einer Abteilung, in der sich Schwestern mit alten Leuten auskennen?

 

Meine Eltern werden alt – Teil 40

Meine Eltern werden alt – Teil 40

Als ich einen Tag später kurz vor 10 Uhr im Heim ankomme, sehe ich Vaddi beim Frühstück sitzen. Er sieht mich auch sofort und winkt mir zu. Ich leiste ihm Gesellschaft, dann schleichen wir uns durch die Außentür raus, weil vorne schon Seniorenturnen ist. Daran nimmt er natürlich nicht teil. „Ich mache jeden Morgen alleine Frühgymnastik“.

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„ Ich habe endlich meinen Rollator wiedergefunden“, sagt er. Ich weiß nicht, was er meint, denn er läuft ja gerade damit.

Oben in seiner Wohnung vermisse ich allerdings seinen Rollstuhl. Der steht eigentlich immer mitten im Flur. Ich frage in der Küche nach, keiner hat ihn gesehen, aber ich sollte noch zu Sr. Kerstin. „Mach ich nachher, wenn ich zu Muddi gehe“, sage ich und keiner sagt da was drauf.

Ich gehe also erst mal anschließend zum Pflegestützpunkt, aber Sr. Kerstin ist nicht da. Ina telefoniert mit ihr und dann kriege ich gesagt, dass Muddi wieder hingefallen ist. Erschrocken bin ich erst mal zu ihr rein, sie kann das linke Bein nicht mehr bewegen. Ich ziehe ihr die Hose aus, es ist nichts dick oder blau, aber sie lokalisiert den Schmerz deutlich auf den linken Oberschenkel. Rechts geht’s gut, links verzieht sie sofort ihr Gesicht. Sie kann sich nicht mal aufsetzen, ich hole eine Schnabeltasse, damit sie etwas trinken kann.

Ich rede noch ein paar Mal mit dem Pfleger, der ihr eine Schmerztablette gibt und sich um den Hausarzt bemühen will.

Das Mittagessen füttere ich ihr, sie nimmt aber nur ein paar Bissen. Alles tut ihr weh.

In der Cafeteria finde ich Vaddis Rollstuhl. Er hatte ihn wohl als Rollator benutzt, indem er ihn geschoben hatte. Nach dem Essen stand dort in der Cafeteria nur ein Rollstuhl und er hatte den gar nicht mit sich in Verbindung gebracht. Er ist also ohne alles los, das schafft er ja auch.

Der Rollstuhl muss sofort seinen Namen bekommen, solange klebe ich etwas anderes drauf, ich muss ihn doch wiedererkennen, bei den vielen Rollstühlen, die hier so in Betrieb sind.

Vaddi sage ich noch Bescheid, ich will auf jeden Fall heute Nachmittag oder Abend noch mal wegen Muddi dahin.

Ach, was tun mir beide Eltern doch leid!!

Claus war beim Friseur und ist anschließend zu Muddi, da kam gerade der Hausarzt und hat Muddi ins Krankenhaus eingewiesen. 16:30 Uhr. Claus rief mich schnell an und ich bin natürlich mit meinem PKW hinterher.

Muddi hat den Schenkelhals gebrochen und wird schon um 19 Uhr operiert.

Und ich habe es nicht bemerkt!

Ich begleite sie noch bis vor die OP Türe und winke ihr hinterher.

Arme Muddi!

Am nächsten Morgen hatte Muddi nach eigenen Angaben gut geschlafen. Die Ärztin sagte, als sie mich sah:  „ Schauen sie, ihre Tochter ist da und bleibt den ganzen Tag“.

Wie kommt die auf eine solche absurde Idee? Ich will gerne ein paar Stunden bleiben, aber es gibt ja auch noch Vaddi. Und eigentlich gibt es auch noch mich!

 

Meine Eltern werden alt – Teil 29

Meine Eltern werden alt – Teil 29

15.12.12

Muddi ist morgens vom Sofa gefallen, als sie aufstehen wollte. Ein Pfleger hat Vaddi Bescheid gesagt. Er ist zu ihr hoch, redet aber dauernd nur von „ Haltung einnehmen”, was sie nicht kann. Sie haben unten gemeinsam Mittag gegessen, Muddi im Rollstuhl.

Als man mich anrief, dass Muddi am Abend gegen 19:30 ins Krankenhaus eingeliefert wird, hab ich ihm Bescheid gesagt und ihn versucht, zu beruhigen. Er macht sich schon Sorgen um sie. Ich hatte aber nicht viel Zeit, weil ich ja zum Krankenhaus hinterher fahren wollte, um Muddi dort nicht alleine zu lassen. Sie ist in fremder Umgebung immer total ängstlich und verwirrt.

Kaum war sie da, musste sie natürlich zum Klo. „Nein, ohne Röntgen geht das nicht“, sagte man lapidar. Es interessierte auch keinen, dass Muddi bereits am Morgen hingefallen war, sie zu jeder Mahlzeit in den Rollstuhl gehievt wurde und im Heim auch schon unzählige Male auf der Toilette war. Sie jammerte und stöhnte die ganze Zeit: „ich muss so nötig, wann geht es denn los, die haben mich vergessen, ich muss so nötig.“

Ganz innen in mir schwanke ich mit meinen Gedanken zwischen: arme Muddi und, ach, sag doch einfach mal nichts. Und schon schäme ich mich für solche Gedanken. Sie hat ja recht. Sie muss mal nötig und außerdem geht’s nicht los.

Nachdem sie geröntgt wurde und sie sich auch nichts gebrochen hatte, konnte sie endlich auf einen Toilettenstuhl. Dann kam eine Schwester vorbei und sagte, ich könne Muddi jetzt wieder mit nach Hause nehmen. „Nein“, sagte ich, „sie braucht einen Krankentransport “.

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Ich kriege Muddi im Moment doch gar nicht allein ins Auto und auch nicht wieder heraus. Außerdem hatte sie gar keine lange Hose an. Und wenn ich nicht mitgefahren wäre, dann hätte man sie auch wieder zurückfahren lassen müssen. „ Das dauert dann aber“, sagte die Schwester, als ob sie es selber machen müsste. Es ging aber doch schneller, nur 6-mal fragte Muddi: „ Wann kommen die denn? Die haben mich bestimmt vergessen.“

Es ist schon nach 23 Uhr als wir zurück waren und bei Vaddi ist alles dunkel. Ich sage ihm heute nicht mehr Bescheid.

Meine Eltern werden alt – Teil 25

 

Meine Eltern werden alt – Teil 25

 

Also ist Vaddi wieder zu Hause, mit einem Haufen von Medikamenten. Im Krankenhaus wurde ich bei der Aufnahme gefragt, welchen Hausarzt er denn habe. „Keinen“, musste ich sagen. Er ist bis dahin, trotz aller Überredungsversuchen, immer noch nicht zum Arzt gewesen.

„Brauch ich nicht!“ sagte er immer wieder, „ mir geht’s gut!“

Allerdings hat er, als er wohl nach seinem Hausarzt gefragt wurde, spontan den Hausarzt von Muddi angegeben. Den kennt er ja, denn er ist oft auf dem Flur, wenn er Muddi abgeholt hat, ihrem Hausarzt begegnet und er wurde auch immer neben Muddi extra von ihm begrüßt. Der Hausarzt und ich hofften, dass wir so Vaddi vom Arztbesuch überzeugen könnten.

 

Claus und ich haben nun doch einen ambulanten Pflegedienst beauftragt, um die erforderliche Medikamenteneinnahme zu überwachen und 3-mal tägliches Blutdruckmessen. Da hatte ich ja   einen Grund für den Pflegedienst, den ich Vaddi und mir erklären konnte.

Unzählige Schreiben mit der Krankenkasse erfolgten. Dort sah man die Notwendigkeit des Blutdruckmessens überhaupt nicht ein. Und die Medikamente könne er doch auch einmal am Tag gestellt bekommen. Einmal am Tag, das wollen sie bezahlen, aber nicht das Blutdruckmessen. Claus hatte schon vor dem ersten Antrittsbesuch des Pflegedienstes aus der Apotheke einen Wochenkasten für Medikamente gekauft. Eigentlich ganz einfach, alles Schubladen für die Wochentage, immer in 4 Kästchen aufgeteilt.

Leider stellte Vaddi immer alles um. Da war plötzlich der Mittwoch vor dem Montag, manchmal lagen alle Pillen für den Tag auf einem Haufen und ich wusste nicht, welche für morgens, mittags oder abends waren. Vaddi behauptete dann „ Das hat die Schwester gemacht, oder warst du das“?

Das kann so nicht gehen. Ich übernahm dann das tägliche Blutdruckmessen, dann eben gegen die Krankenhausempfehlung nur 1 – mal am Tag, an dem Tag, an dem ich Bereitschaftsdienst hatte, auch gar nicht.

Doch mit den 3-mal täglichen Besuchen zur Medikamentengabe haben wir uns schließlich durchgesetzt. Dazu musste der Hausarzt, nun hatte er ja wirklich einen, eine Bescheinigung ausstellen, dass Vaddi an Demenz leidet. Die Krankenkasse will das so.

Mein Vater! Dement! Hoffentlich kriegt er das nicht mit, dachte ich mir.

Nachdem ich Vaddi in das Krankenhaus wegen seiner TIA gebracht habe, musste ich mir etwas einfallen lassen, wegen seiner Chipkarte. Ich weiß, wo sie liegt, in der 2. Schublade von oben. Rechts neben dem Computerplatz. Da liegt auch sein Portemonnaie mit so viel Geld, dass die Essensrechnung für den Monat bezahlt werden kann, da liegen auch beide Personalausweise, da liegt Zuviel drin, schön nach unten verpackt zwar. Aber doch Zuviel, dass ich nicht möchte, dass jemand Fremdes darauf Zugriff hat.

Also nehme ich einen Briefumschlag mit Sichtfenster, deponiere die Karte so vor das Sichtfenster, dass man die Chipkarte erkennen kann und stecke den Umschlag in das Bücherregal.

Das Sichtfenster schaut etwas heraus. So könnte man es auch telefonisch dem Rettungsdienst klar machen, wo die Karte zu finden ist. Vaddi ist von dieser Idee begeistert und zeigt sie mir in den darauffolgenden Wochen auch immer wieder. Das könnte also klappen, aber hoffentlich brauchen wir das nie mehr.

 

 

 

 

Meine Eltern werden alt – Teil 24

Meine Eltern werden alt – Teil 24

Als ich Vaddi vom Krankenhaus abholen kann, nehme ich direkt am Eingang einen Rollstuhl mit. Der Weg vom Parkplatz und durch das große Gebäude bis hin zur Stroke Unit ist lang.

Vaddi weigert sich, in den Rollstuhl hineinzusteigen. Die Schwestern sind allerdings begeistert über meine Weitsicht und erklären Vaddi, dass er sich ruhig schieben lassen soll. Auf Wiedersehen. Hier waren alle sehr nett gewesen, wirklich. Tolle Station!

Auf dem Weg zum Ausgang sagt Vaddi mir, dass meine Idee mit dem Rollstuhl gar nicht mal so schlecht gewesen wäre.

Ich lasse ihn in mein Auto einsteigen und bringe den Rollstuhl zurück. Mit Vaddi ist das ja kein Problem. Er ist nicht so ängstlich wie Muddi. Oder wenigstens zeigt er es nicht. Da er mir ziemlich gut drauf scheint, biege ich eben noch schnell in die Straße unserer neuen Wohnung ein. Claus ist jetzt da, um etwas auszumessen. Wir haben noch keine Möbel hier, aber auf der Terrasse stehen schon ein Tisch und ein paar Stühle. Das Wetter ist schön. Ich will ihm das Haus schon mal zeigen. Er ist begeistert und wir trinken etwas Wasser.

Da er noch den Verband am Handgelenk hat, wo vorher mal eine Nadel für alle Fälle steckte, mache ich das Pflaster ab. Prima. Nach 5 Minuten rinnt Blut vom Handgelenk, tropft auf seine schöne Hose. Er bekommt ja nun Blutverdünner, das hatte ich gar nicht berücksichtigt und daher hätte ich dieses Pflaster wohl besser bis morgen dran lassen sollen. Mit Küchenrolle und Malerkrepp basteln wir schnell einen neuen Verband, mehr haben wir in der leeren Wohnung nicht zur Verfügung.

Dann sage ich Vaddi, dass es jetzt zu ihm nach Hause geht und er sich dann wieder etwas Frisches anziehen kann. Er will noch schnell zur Toilette. Also gut.

Irgendwie dauert es uns etwas lange, hoffentlich ist ihm nichts passiert und wir sehen nach. Da steht Vaddi, vor dem Klo, ohne Schuhe, ohne lange Hose und fragt nach einer neuen Hose. „Ach Vaddi“, sage ich „die Hose ist bei dir zu Hause, hier haben wir nichts“. Jetzt muss der arme Mann alles wieder anziehen und ich weiß, dass ihm auch das Schuhe anziehen viel Mühe macht. Ich helfe ihm, zwar unter Protest, aber er lässt es zu. Zum ersten Mal.

Da habe ich noch nicht begriffen, dass der schöne Krankenhausaufenthalt Vaddi ordentlich zugesetzt hat. Dass er seit dem etwas durcheinander ist. Das merkt man nicht so plötzlich. Das merkt man erst etwas später.

Meine Eltern werden alt – Teil 23

Meine Eltern werden alt – Teil 23

 Wir haben schon länger keinen richtigen Urlaub gemacht, immer nur ein paar Tage, wir trauen uns nicht mehr, weit zu fahren und zu lange weg zu bleiben. Obwohl wir ja mit unserem Campingbus eigentlich immer viel unterwegs waren und es auch sehr lieben.

Aber nach diesen Feierlichkeiten fanden wir, dass wir uns eine Woche Erholung verdient hätten.

Da ich am 17. Juni Geburtstag habe, wollten wir nach Düsseldorf. Claus hatte sich schon 2 Tage vorher mit Freunden dort getroffen und ich bin mit dem Zug am 15. 6. nach.

Am 17. 6. rief ich erst bei Vaddi und dann bei Muddi an. „ Na, wie geht’s? „ „Gut“. Keinem der beiden war mein Geburtstag eingefallen. Na, was soll‘s, sie sind alt. Und die Geburtstage der Anderen haben sie ja auch schon lange vergessen, wenn ich nicht daran denken würde. Aber für mich brauche ich keine Karte schreiben, die sie mir dann verdutzt überreichen…

Als wir wieder nach Hause fuhren und in ihrem Ort  ankamen, besuchten wir erst mal die beiden, danach fuhr ich mit meinem PKW, der am Bahnhof parkte, nach Hause. Claus, der schon mal mit unserem Campingbus vorgefahren war, empfing mich mit den Worten: „Wo sind die Gummistiefel?“ „Was für Gummistiefel?“ wollte ich wissen. „Na, dann komm mal rein“, ermunterte mich Claus. Weiterlesen

Meine Eltern werden alt Teil 2

 

Meine Eltern werden alt. Teil 2

 

Meine Eltern waren nie alt. Nicht mit 80 und 85 Jahren, nicht mit 85 und 90 Jahren.

Wenn sie mal alt sind, dann wollen sie in ein Altersheim. Und anonym beerdigt werden. Sie wollen uns keine Arbeit machen oder uns Sorgen bereiten.

Wir wohnten damals weit voneinander entfernt.

Mein Mann und ich, auch meine Schwester mit Mann und meine Neffen, wir kümmerten uns um sie, so gut es ging. Für mich und die Neffen waren es 300 km und 500 km für meine Schwester, die wir zurückzulegen hatten.

Wir halfen auch eher heimlich, denn ≈sie können das alles ja noch≈.

Nachdem mein Vater mit fast 91 Jahren sein Auto verkauft hatte, da durften wir gerne Blumen und Blumenerde kaufen, im Winter nahmen sie das Angebot an, sie mit Streusalz zu versorgen.

Wenn viel Schnee lag, sind wir „mal eben“ hin und haben Schnee geschippt.„Ach wie schön, das hat sicher unser Nachbar Gerd gemacht“, sagten sie dann. Wir haben es niemals richtig gestellt, wir machten das ja heimlich, noch bevor wir klingelten.

Früher haben wir ganz unbefangen mit ihnen über alles reden können.

Nachdem mein Vater die 90 überschritten hatte, wollten sie von einem Altenheim nichts mehr wissen.

Wir wollten sie ja auch gar nicht in ein Altenheim verfrachten, aber mal drüber reden, wohin, wenn es denn mal soweit ist, das wollten wir schon.

Sie hatten sich angeblich auch schon ein schön gelegenes Heim am Nord-Ostsee-Kanal ausgesucht. Ich hätte gerne einmal gewusst, wie es heißt, wo das genau ist.

„Wenn wir dann alt sind sagen wir euch Bescheid!“

Nun war er da, der Tag X. Ein Schlaganfall!

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