Meine Eltern werden alt – Teil 37

 

Meine Eltern werden alt – Teil 37

17.1.13

Vaddi schläft zur Zeit viel, jetzt auch im Liegen auf dem Sofa. Er fühlt sich wohl, sagt er, aber seine Knie tun ihm weh. Er ist sehr blass. Er hatte sofort vergessen, was es zum Mittagessen gab.

„Ich bin gar nicht dagewesen.“ Muddi wusste es auch nicht mehr, aber Vaddi sei dagewesen. Ich sehe auf dem Speiseplan nach und sage „Bratwurst mit Sauerkraut.“ „Jau, das war lecker!!!“ sagt er.

18.1.13

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Vaddi sucht sein Klappmesser, womit er Muddi immer Kuchen und Obst kleinschneidet. Ich suche alles ab, kann es aber auch nicht finden. Viel später habe ich von Bärbel, meiner „ Freundin“, die inzwischen wirklich schon eine Freundin ist, erfahren, dass sie das arrangiert hatte. Er hatte ihr gezeigt, weil sie ja nun seine Vertraute war, was er am Liebsten machen würde: Er hielt sich das Messer an den Hals und bedeutete, einfach mal durchziehen…! Sie hat einem Pfleger Bescheid gegeben und dieser hat dann das Klappmesser in „Sicherheit“ gebracht.

Als ich später von Muddi weggehe, kommt Vaddi mir schon um 11:30 Uhr Richtung Speisesaal entgegen. „Guten Appetit und Tschüss bis morgen“, sage ich. „Ja bis gleich dann“, sagt er.

Ich hatte ihm gestern noch seinen Computer gebracht und hatte einen Internetstick gekauft, weil er ja keinen Telekomanschluss mehr hat, es funktioniert. Das Internet ist ihm immer wichtig gewesen, ich hab mir dafür auch ein Bein ausgerissen und für 2 Jahre einen Vertrag am Hals. Er war aber nicht am Computer.laptop-312391__180

Statt dessen erzählt er, nachdem er liegend auf dem Sofa wach wurde, dass in der Nacht der “ Sensenmann “ bei ihm war.

„ Der hat nicht schön ausgesehen.“

„ Was hast du dann gemacht?“, frage ich ihn.the-reaper-296535__180

„ Ich hab ihm gesagt, er soll weggehen.“

Wir reden über Gott, ob man glauben soll, woran ich glaube und über den Tod.

 

Er tut mir so leid!

 

Am Abend überkommt mich mal wieder eine tiefe Traurigkeit. Heute ist Freitag, da hab ich früher immer mit Muddi und Vaddi telefoniert. Jeden Freitag, auch im Urlaub, sogar aus Übersee!

Ich würde Muddi so gerne anrufen und fragen, wie ihr das neue Zimmer gefällt. Aber eigentlich würde ich ihr viel lieber erzählen, was ich schon wieder für einen „Brassel“ am Hals hatte.

Und sie würde mich dann beruhigen und auffangen, sie würde sagen, „die Leute, denen du geholfen hast, sind sicher ganz dankbar dafür. Du bist wirklich toll.“ Das würde sie sagen.

Ich kann die Tränen nicht mehr unterdrücken und heule hemmungslos.

 

 

 

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