Meine Eltern werden alt- Teil 34

Meine Eltern werden alt- Teil 34

7.1.13

Ich bin nach der Arbeit gleich wieder zum Heim, wie jeden Tag eigentlich, aber zur Zeit ist es was anderes, irgendwie. Bei Vaddi ist es dunkel, das kann ich durch das Küchenfenster sehen. Ich klingele und er schließt auch auf. Er hat einen nackten Oberkörper, steht kerzengerade und wünscht mir einen guten Morgen. Ich sage ihm, dass es jetzt Nachmittag ist und er sagt, „im Bett liegt noch Jemand“. Er ist, glaube ich, gerade aufgestanden, sonst hat er immer fein säuberlich die Decke zurückgeschlagen…

Als er angezogen ist verbringen wir Zeit nebeneinander auf dem Sofa, er redet vom Tod und dass er so eigentlich nicht mehr will. Zum ersten Mal ohne „durch die Blume gesagt“.

Er will wissen, ob es eine Altersgrenze für Organspender gibt.

Um 10 nach 5 verabschiede ich mich, weil ich noch zu Muddi will. Wir sehen uns nachher beim Essen. „Ist dann Mittag?“ „Nein, jetzt ist es 5, um 6 Uhr ist Abendbrot.“ „Ja klar, wir sehen uns unten.“ Er ist schon da, als ich um 10 vor 6 mit Muddi komme. Vielleicht ist er schon gleich runter, als ich gegangen war?

10.1.13

Vaddi wird immer verwirrter! Manchmal liegt er auf dem Bett und schläft. Auf seinem kleinen, fahrbaren Wohnzimmertisch standen heute 2 Kaffeetassen, Toastbrot und Plätzchen und die Kaffeekanne mit Wasser drin. Auch in den Tassen ist Wasser.

Im Bericht des Pflegedienstes steht drin, dass er morgens schon Kuchen backen wollte, es aber nicht geschafft hat. Er hat dann Toastbrot mit Plätzchen belegt und Kaffeekochen könne er auch nicht mehr. Dabei wollte er doch so gerne der netten Pflegerin zeigen, wie toll er backen kann!rolling-pin-157071__180

Als er zum Klo geht räume ich alles diskret wieder weg.

Er bekommt die Zeiten nicht mehr hin, weiß nicht ob es Mittag oder Abendbrot gibt. Setzt sich zu anderen Zeiten in die Cafeteria, manchmal an einen anderen Tisch, dann schläft er dort im Sitzen.

Er hat Alzheimer!

Mir schießen die Tränen in die Augen.

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