Meine Eltern werden alt Teil 32

Meine Eltern werden alt Teil 32

31.12.12     13 Uhr

Vaddi hat heute nicht zu Mittag gegessen, aber in der Küche Bescheid gesagt, berichtet er mir. Muddi läge oben mit Brechdurchfall im Bett. Ihm sei aber nicht schlecht. Ich bitte ihn, eine neue lange Hose anzuziehen, weil er müffelt und gehe dann hoch zu der kranken Muddi. Sie liegt im Bett, Toilettenstuhl daneben und einen Eimer zum Erbrechen. Ich gebe ihr vorsichtig etwas zu trinken. Es geht aber schon wieder aufwärts, sagt sie. Muddi ist richtig tapfer.

Ich habe Vaddi um 15 Uhr beim Kaffee unten Gesellschaft geleistet und bin dann mit einem Becher Kaffee wieder zu Muddi hoch, er wollte eigentlich nachkommen. Er kam aber nicht, weil er unten eingeschlafen ist. Ich sehe das durch das Fenster des Speisesaals als ich gegangen bin und ich hab, ehrlich gesagt, auch keine Lust mehr, zu ihm zu gehen. Heute Abend will er zu Muddi, Silvester feiern. Und ich will jetzt, um 17 Uhr, auch endlich wieder nach Hause. Auch bei uns ist Silvester!

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1.1.13

Vaddi war gestern Abend bei Muddi, erzählte sie mir, und sie haben zusammen alte Bilder angeschaut. Er hat sich gewundert, warum er nie drauf ist. Muddi hat ihm gesagt, dass er die Bilder gemacht hatte. Ich war aber nicht lange bei Vaddi, weil ich selber Brechdurchfall habe und mich sehr elend fühle. Ich will ihn auch nicht anstecken.

Den 2. Januar verbringen Claus und ich im Bett. Die Toilette ist ständig von uns in Beschlag. Noch nie im Leben, glaube ich, habe ich mich so elend gefühlt. An Aufstehen oder gar zu Muddi und Vaddi zu fahren, denke ich nicht einmal.

3.1.13

Vaddi hat eine Schlafanzugjacke an und darüber die Strickweste. Also gebe ich ihm ein frisches Unterhemd und einen Pullover und er fragt mich, ob er erst den Pullover anziehen soll. ???

Da seine lange Hose „müffelt”, hole ich aus dem Schlafzimmer eine neue Jeans. Er zieht die lange Hose aus, hat aber keinen Schlüpfer an. Ich gebe ihm einen Schlüpfer und klebe die   ≈ Männervorlage ≈ rein. Soll er mal probieren. „Jau “

4.1.13

Nachdem ich erst meine Zeit mit Vaddi verbracht hatte, bin ich später mit Muddi zum Kaffee runter in den Speisesaal, aber Vaddi war noch nicht da. Also habe ich ihn wieder abgeholt. Er schaut auf die Uhr, es ist 15:05 und er sagt, es sei doch erst 4 Uhr. Er geht sehr langsam. Im Erdgeschoss wollte er nicht aussteigen, da diese Engelsfigur zurzeit nicht da steht. Das war für ihn immer das Zeichen, im Erdgeschoss zu sein. Der Heimleiter bekommt das zufällig mit und stellt schnell den Engel wieder an seinen alten Platz.

Ich kann ihn so nicht mehr allein leben lassen, ich bin ja auch nicht immer da, habe noch Muddi und einen Job und einen Mann und Haushalt. Ich bemühe mich um ein Zimmer in der Pflege, er braucht viel mehr Hilfe, als ich mir vorstellen will. Ich bin also gleich zur Heimleitung. „ Hat er denn schon eine Pflegestufe?“ „ Nein, die ist aber beantragt“ sage ich. „Alles kein Problem“, meint der Heimleiter, „kann man dann nachher verrechnen.“

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