Meine Eltern werden alt – Teil 30

Meine Eltern werden alt – Teil 30

17.12.12

Morgens war Vaddi schon oben bei Muddi. Er hat nachgesehen, wie es ihr geht oder hat er vergessen, was gestern Abend los war? Dann erzählte er mir seinen Traum: „ Da war die Frau mit dem Holzkopf und hat Muddi überwältigt, so dass sie hingefallen war. Oder war die Frau wirklich da? Gibt es hier eine Frau mit einem Holzkopf?“ Ich verstehe ihn nicht mehr so richtig. „Vielleicht gibt es die, ich hab sie aber noch nicht gesehen, vielleicht doch nur ein blöder Traum“, versuche ich die Situation zu retten.

18.12. Bis  23.12.12

Vaddi hatte neulich wieder einen riesigen Heulanfall. Er konnte sich gar nicht beruhigen. Er ist traurig und einsam. Ich habe ihn mit Bärbel zusammen besucht. Wir verabredeten uns und sind zu Fuß zum Heim. Dabei habe ich von Vaddi und auch von Muddi erzählt und wir verabredeten, uns zu duzen, denn wir sind ja angeblich Freundinnen. Er fand sie nett, hat viel und ohne Punkt und Komma erzählt und ich konnte etwas sauber machen nebenher.

Es war schon richtig schwer, Vaddi dazu zu bewegen, dass wir jetzt alle zusammen nach unten zum Kaffeetrinken gehen, denn er wollte ihr noch so viel zeigen. Ich habe dann Muddi zum Kaffee abgeholt und wir haben alle 4 dort in dem Speisesaal gesessen. Muddi muss Bärbel ja auch kennenlernen, damit sie weiß, wer das ist und nicht am Ende noch eifersüchtig wird. Bärbel wird ihn jetzt auch, wie verabredet, ohne mich besuchen. Er hat sie mit Wangenküsschen verabschiedet!

Wenigstens das könnte klappen.

24.12.12

Heilig Abend sind Edda und Roland uns zuliebe zu uns gekommen, damit wir den Abend nicht alleine stemmen müssen. Wir fanden das richtig toll. Immerhin fahren sie im Sommer, wenn es hell ist, im besten Fall wenigstens etwas über 3 Stunden bis zu uns.

Die beiden Eltern in mein Auto zu bekommen war sehr schwierig. Irgendwie konnten sie heute nicht so gut klettern.

Vaddi hat natürlich wieder viel geredet, aber Muddi diesmal auch. Es war alles recht entspannt. Beide haben ganz gut gegessen, wir hatten alles so gestaltet, wie sie es von früher kannten.

Aber natürlich, es ist nicht wie früher, sie sind hier zu Besuch…

Auf dem Sofa sitzend haben sie sich schöne Weihnachten gewünscht und sich geküsst.Film 11

Während der Bescherung stellte ich fest, dass die meisten Geschenke für Muddi und Vaddi waren und sie sich auch richtig freuten. Ich sah da so Parallelen zu Kindern unterm Weihnachtsbaum, auch die bekommen immer die meisten Geschenke…

Auch ich habe mich über ihr Geschenk gefreut, es gab einen von mir gebastelten Fotokalender für alle.

Edda ist dann auf dem Rückweg in meinem Auto mit Vaddi und dem Rollstuhl, ich mit dem Smart und Muddi zurückgefahren. Da brauchte dann keiner von beiden hinten im Auto sitzen.

Als Edda mit Vaddi am Heim ankam, wollte er gleich hoch, weil er sich in die Hose gemacht habe. Für Edda war die Situation schwierig, denn sie wollte mir noch mit Muddi aus meinem Auto helfen, aber ich hab sie lieber hinter Vaddi hergeschickt, ich schaffe das mit Muddi und Rollstuhl schon, bin ja geübt, mittlerweile…

Als ich Muddi zu Bett gebracht hatte, war Edda auch schon oben und sagte, Vaddi sei gleich ins Bad, so was wie Tschüss und sie wusste auch nicht, was er wollte oder was sie machen sollte. Er hatte gleich hinter sich die Tür abgeschlossen. Also gut.

Als wir gegangen sind, stand er dann aber oben am Flurfenster und hat gewunken. Das hat mir leidgetan, weil ich mich ja gar nicht richtig verabschiedet hatte. Am nächsten Tag hab ich einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst und werde ihn gar nicht sehen.

Advertisements