Meine Eltern werden alt – Teil 29

Meine Eltern werden alt – Teil 29

15.12.12

Muddi ist morgens vom Sofa gefallen, als sie aufstehen wollte. Ein Pfleger hat Vaddi Bescheid gesagt. Er ist zu ihr hoch, redet aber dauernd nur von „ Haltung einnehmen”, was sie nicht kann. Sie haben unten gemeinsam Mittag gegessen, Muddi im Rollstuhl.

Als man mich anrief, dass Muddi am Abend gegen 19:30 ins Krankenhaus eingeliefert wird, hab ich ihm Bescheid gesagt und ihn versucht, zu beruhigen. Er macht sich schon Sorgen um sie. Ich hatte aber nicht viel Zeit, weil ich ja zum Krankenhaus hinterher fahren wollte, um Muddi dort nicht alleine zu lassen. Sie ist in fremder Umgebung immer total ängstlich und verwirrt.

Kaum war sie da, musste sie natürlich zum Klo. „Nein, ohne Röntgen geht das nicht“, sagte man lapidar. Es interessierte auch keinen, dass Muddi bereits am Morgen hingefallen war, sie zu jeder Mahlzeit in den Rollstuhl gehievt wurde und im Heim auch schon unzählige Male auf der Toilette war. Sie jammerte und stöhnte die ganze Zeit: „ich muss so nötig, wann geht es denn los, die haben mich vergessen, ich muss so nötig.“

Ganz innen in mir schwanke ich mit meinen Gedanken zwischen: arme Muddi und, ach, sag doch einfach mal nichts. Und schon schäme ich mich für solche Gedanken. Sie hat ja recht. Sie muss mal nötig und außerdem geht’s nicht los.

Nachdem sie geröntgt wurde und sie sich auch nichts gebrochen hatte, konnte sie endlich auf einen Toilettenstuhl. Dann kam eine Schwester vorbei und sagte, ich könne Muddi jetzt wieder mit nach Hause nehmen. „Nein“, sagte ich, „sie braucht einen Krankentransport “.

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Ich kriege Muddi im Moment doch gar nicht allein ins Auto und auch nicht wieder heraus. Außerdem hatte sie gar keine lange Hose an. Und wenn ich nicht mitgefahren wäre, dann hätte man sie auch wieder zurückfahren lassen müssen. „ Das dauert dann aber“, sagte die Schwester, als ob sie es selber machen müsste. Es ging aber doch schneller, nur 6-mal fragte Muddi: „ Wann kommen die denn? Die haben mich bestimmt vergessen.“

Es ist schon nach 23 Uhr als wir zurück waren und bei Vaddi ist alles dunkel. Ich sage ihm heute nicht mehr Bescheid.

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