Meine Eltern werden alt – Teil 27

Meine Eltern werden alt – Teil 27

Muddi hat inzwischen die Pflegestufe 2 bekommen. Sie ist wirklich nicht mehr so mobil wie früher und das Gedächtnis lässt auch ziemlich nach.

Eines Nachmittags, als ich nach meiner Arbeit bei Vaddi war, berichtete er ganz aufgeregt, dass er heute Morgen nicht zum Frühstück konnte. „Warum denn nicht“? fragte ich. „Ich war eingeschlossen“, sagte er aufgeregt. Die Türe war aber jetzt auf. Er sagte, dass einer von der Küche oder sonst jemand hier war und hat bei ihm aufgeschlossen, um nach ihm zu sehen, weil er nicht beim Frühstück war. ( funktioniert also doch…) Und richtig, es steckte von innen kein Schlüssel im Schloss, wie sonst. Also überlegte ich und durchwühlte seine gestern getragenen Hosen. Siehe da, in einer Tasche steckte der Schlüssel. Er hatte am Abend seine Tür von innen abgeschlossen und den Schlüssel einfach in die Hosentasche gesteckt.

Wenn er seine Wohnung verlässt, sage ich ihm immer, er solle den Schlüssel in seine Hosentasche stecken. Er hat ihn nämlich schon mal auf dem Essenstisch liegen gelassen, oder irgendwo bei Muddi in ihrer Wohnung und dann ist vor seiner Haustüre die Panik groß, wenn er den Schlüssel nicht dabei hat und nicht mehr weiß, wo er sein könnte. Aber von innen soll er ihn bitte ins Schloss stecken.

Der ambulante Pflegedienst kommt ja immer mit ihrem eigenen Schlüssel in Vaddis Wohnung und er wird dann geweckt. Wenn dann die Tabletten gegeben und vielleicht an einem der 2 Tage in der Woche auch noch Duschen angestanden hat und sie damit fertig sind, gehen sie wieder und schließen auch wieder zu. Niemandem ist aufgefallen, dass der Schlüssel nicht von innen steckte.

Ich bastele am Computer ein Schild für Vaddis Wohnungstür innen. Da steht drauf: „Steckt der Schlüssel?“ Den klebe ich direkt neben das Schloss.key-771643_150

Vaddi wird immer wunderlicher. Ich entschließe mich, zusammen mit dem Pflegedienst, einen Antrag auf Pflegestufe zu stellen. Dann bekommt man wenigsten die kleine und große Körperpflege bezahlt, die nun bei Vaddi nötig wird. Er wäscht sich nicht mehr alleine und diese Dienste werden zurzeit noch privat bezahlt.

Wir bezweifeln allerdings, dass wir damit durchkommen. Vaddi ist noch sehr mobil und außerdem wird er sich gerade bei diesem Besuch sehr anstrengen, den Leuten vorzumachen, wie toll er noch ist. Ich versuche, Vaddi zu erklären, dass er sich dann aber wirklich nicht anstrengen soll, lieber soll er sagen, er könne gar nichts mehr alleine. Ob er das verstanden hat?

Also habe ich wieder angefangen, ein fast tägliches, stichwortartiges Tagebuch über Vaddi zu schreiben, damit ich beim MDK auch was erzählen kann.

Werbeanzeigen