Meine Eltern werden alt – Teil 24

Meine Eltern werden alt – Teil 24

Als ich Vaddi vom Krankenhaus abholen kann, nehme ich direkt am Eingang einen Rollstuhl mit. Der Weg vom Parkplatz und durch das große Gebäude bis hin zur Stroke Unit ist lang.

Vaddi weigert sich, in den Rollstuhl hineinzusteigen. Die Schwestern sind allerdings begeistert über meine Weitsicht und erklären Vaddi, dass er sich ruhig schieben lassen soll. Auf Wiedersehen. Hier waren alle sehr nett gewesen, wirklich. Tolle Station!

Auf dem Weg zum Ausgang sagt Vaddi mir, dass meine Idee mit dem Rollstuhl gar nicht mal so schlecht gewesen wäre.

Ich lasse ihn in mein Auto einsteigen und bringe den Rollstuhl zurück. Mit Vaddi ist das ja kein Problem. Er ist nicht so ängstlich wie Muddi. Oder wenigstens zeigt er es nicht. Da er mir ziemlich gut drauf scheint, biege ich eben noch schnell in die Straße unserer neuen Wohnung ein. Claus ist jetzt da, um etwas auszumessen. Wir haben noch keine Möbel hier, aber auf der Terrasse stehen schon ein Tisch und ein paar Stühle. Das Wetter ist schön. Ich will ihm das Haus schon mal zeigen. Er ist begeistert und wir trinken etwas Wasser.

Da er noch den Verband am Handgelenk hat, wo vorher mal eine Nadel für alle Fälle steckte, mache ich das Pflaster ab. Prima. Nach 5 Minuten rinnt Blut vom Handgelenk, tropft auf seine schöne Hose. Er bekommt ja nun Blutverdünner, das hatte ich gar nicht berücksichtigt und daher hätte ich dieses Pflaster wohl besser bis morgen dran lassen sollen. Mit Küchenrolle und Malerkrepp basteln wir schnell einen neuen Verband, mehr haben wir in der leeren Wohnung nicht zur Verfügung.

Dann sage ich Vaddi, dass es jetzt zu ihm nach Hause geht und er sich dann wieder etwas Frisches anziehen kann. Er will noch schnell zur Toilette. Also gut.

Irgendwie dauert es uns etwas lange, hoffentlich ist ihm nichts passiert und wir sehen nach. Da steht Vaddi, vor dem Klo, ohne Schuhe, ohne lange Hose und fragt nach einer neuen Hose. „Ach Vaddi“, sage ich „die Hose ist bei dir zu Hause, hier haben wir nichts“. Jetzt muss der arme Mann alles wieder anziehen und ich weiß, dass ihm auch das Schuhe anziehen viel Mühe macht. Ich helfe ihm, zwar unter Protest, aber er lässt es zu. Zum ersten Mal.

Da habe ich noch nicht begriffen, dass der schöne Krankenhausaufenthalt Vaddi ordentlich zugesetzt hat. Dass er seit dem etwas durcheinander ist. Das merkt man nicht so plötzlich. Das merkt man erst etwas später.

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