Meine Eltern werden alt – Teil 16

Meine Eltern werden alt – Teil 16

Vaddi trägt alltags immer einen Pullover, jedoch zieht er sich sonntags immer ein Oberhemd an. Er hat ja auch so viele und ich finde es schön, dass er darauf achtet.

Allerdings achtet er nicht wirklich auf die Jahreszeit. Im Sommer, als es richtig warm war, hatte er langärmelige Hemden an, jetzt, wo es doch schon etwas kälter geworden ist, sind die Kurzärmeligen dran. Aber er trägt ja auch immer noch eine, von Muddi selbstgestrickte Weste darüber und solange er sich nur im Haus aufhält, ist das ja auch nicht schlimm.

Ich bemerke bei ihm, dass er etwas streng riecht. Jetzt kommt Claus wieder zum Zuge. Ich denke, besser ein Mann erklärt einem Mann, dass man auch schön riechen kann.

Claus erzählt von der Tour de France. „Da sind alles verschwitzte Männer, aber sie verströmen ein angenehmes Aroma, da sie ja von ihrem Deo nach dem Duschen Gebrauch machen“, erklärt er Vaddi und präsentiert auch gleich ein neues Deo.

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Am nächsten Tag berichtet Vaddi mir, er habe sich geduscht, man sieht es auch im Badezimmer, und ich solle mal riechen, wie lecker er jetzt riecht. Ich rieche an ihm. „Lecker“ sage ich.

Ab diesem Tag nehme ich immer alles, was er anhatte, sofort zum Waschen mit nach Hause, da Vaddi gerne mal Sachen aus dem Wäschebeutel wieder herausnimmt, um sie noch einmal zu tragen. Und dann riecht er nicht mehr lecker.

Muddis Finger ist nach der Operation schon wieder krumm. Dabei bemerke ich, dass sie nun auch die anderen Finger krumm hält, also sie macht links eigentlich immer eine Faust. So hält sie sich am Rollator fest, also besser gesagt, nicht fest.

Vaddi ist neulich mal den ganzen Tag im Schlafanzug rumgelaufen. Auch zum Essen. Wieso? Merkt er nicht mehr, dass er sich gar nicht angezogen hat?

Wir hatten ja beim Einzug für Vaddis Wohnung neue Gardinen gekauft. Damit die neuen Gardinen passen, habe ich sie etwas gekürzt. Den abgeschnittenen Rest verwendete ich dazu, die Gardinen unten zusammen zu halten. Nun fallen die Bänder ab und zu von den Gardinen herunter. Und sie landen um Vaddis Hals, als Schal. „Ist schön warm“, sagte er zu mir. Es sieht schrecklich aus, die Gardine um seinen Hals und so beschließt Claus spontan, Vaddi zu Weihnachten einen tollen Schal zu schenken.

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Anfang Dezember haben wir für Muddi einen neuen Termin zur Operation am Finger. Die Voruntersuchung ging wieder wie immer. 3-mal sind wir zum Klo.

Am Tage der Operation bitte ich Claus, mit zu kommen. Ich schaffe das nicht mehr alleine. Wie soll ich den hauseigenen Rollstuhl holen, wie mit ihr dorthin, wie sie anmelden, wenn sie dann irgendwo allein bleiben muss. Claus tut mir den Gefallen.

Muddi geht zum Klo, während Claus sie anmeldet. Wir können auch gleich durch, nächste Wartezone. Dort wird gerade jemand operiert, danach ist Muddi dran. Also noch mal schnell zum Klo, das jetzt noch weiter weg ist. Sie kann dann auch gleich rein, als wir zurückkommen. Sie bekommt die Spritze in die Hand, danach bleibt sie auf der OP Trage liegen, bis es wirkt. Eine Schwester schaut aus der OP Türe. „ Ihre Mutter muss mal“. Ich bin dann also mit ihr ins benachbarte Klo. 3 Tropfen Pippi.

Dann kommt sie wieder in den ambulanten OP Saal und der Arzt geht auch rein. „ Ich geh schnell eine Rauchen“ sage ich Claus, denn ich weiß, in 10 Minuten ist die OP vorbei. Ich verschlinge förmlich die Zigarette und bin nach 5 Minuten auch schon zurück. Claus ist sauer. „Warum?“ „ Weil Muddi auf dem Klo sitzt“.

Ich kann es nicht glauben! Die steril gewaschene Hand wurde nach dem Hautschnitt steril eingepackt und Muddi zum Klo. Ich holte sie dann dort wieder ab, brachte sie zum Operationssaal und dann ging die Operation weiter. So dauerte der ganze 10 Minuten Aufwand mehr als eineinhalb Stunden, der Warteraum wurde immer voller. Sie bekommt noch einen Gips, damit der Finger nicht morgen wieder krumm ist.

Das mache ich nie mehr mit“ sagte Claus.

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