Meine Eltern werden alt – Teil 13

Meine Eltern werden alt – Teil 13

 

Anfang Juli wollen wir weg! In Urlaub nach Frankreich für 3 Wochen. Ich freue mich riesig, denn das haben wir uns verdient, finde ich. Muddi und Vaddi sind ja gut versorgt und es muss ja auch mal ohne mich gehen. Ich hatte sowieso nicht vor, nur weil sie jetzt ganz in unserer Nähe wohnen, dass ich jetzt jeden Tag so viele Stunden mit ihnen verbringe. Es gibt ja auch noch so was wie Privatleben. Das haben die 2 früher immer verstanden.

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Mit Vaddi hatten wir ausgemacht, dass ich ab und zu mit ihm telefonieren will.

Immer, wenn ich telefonierte, sagte Vaddi, alles sei in Ordnung. Er hatte auch seine Essensrechnung des letzten Monats diesmal selber bezahlt, wäre ja gar nicht so schlimm gewesen. „Mach du das“, hatte er immer zu mir gesagt.

Früher hatte er auch immer Muddi das Portemonnaie gegeben, wenn sie auswärts essen waren. Er hatte immer Angst, dass er wegen seiner Schwerhörigkeit die Summe nicht richtig versteht und dann zu viel oder, für ihn noch schlimmer, zu wenig Trinkgeld gibt. Hier brauchte er gar kein Trinkgeld geben. Das hatten sie einfach abgelehnt und ich musste ihm versprechen, es an Weihnachten nachzuholen.

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Als wir dann wieder zurück waren, fiel mir Vaddi allerdings heulend um den Hals. Es sei so schrecklich gewesen, er allein ohne mich mit Muddi. So lange dürften wir eigentlich nicht mehr wegbleiben.

Na toll!!! An ein gemeinsames Zusammenleben der beiden im betreuten Wohnen ist da wohl nicht mehr zu denken.

Also bin ich jetzt natürlich wieder jeden Tag dorthin.

Ich mag gar nicht daran denken, dass wir eigentlich bald wieder weg wollen…

Auszug aus meinem Tagebuch:

August 2011

Muddi und Vaddi. Sie schaffen mich!

So hatte ich es mir jetzt eigentlich nicht vorgestellt! Ich dachte, sie wohnen jetzt in unserer Nähe und ich fahre mal ab und zu bei ihnen vorbei. So einfach. Geht jetzt ja schneller und öfter, als dass wir sie in Schleswig Holstein besuchen.

Ein bisschen Einkauf für Vaddi, ab und zu Kosmetikartikel für Muddi. Natürlich gerne auch Blumen für den Balkon. Und was sie sonst noch brauchen. Ein bisschen klönen, Kaffee trinken und so etwas. Sie haben ja noch sich, sitzen ja auch am Abend bei Muddi in der Wohnung und sehen fern.

Ich freue mich immer, wenn Vaddi auch bei Muddi ist, denn sie behauptet ständig, er käme sie nur zu den Mahlzeiten abholen, was aber wirklich nicht stimmt! Dann wieder erkundigt sich Vaddi nach Muddis Krankheit und alles, was ich ihm erkläre, setzt er gegen sie ein.

Sie will sich nur von Vaddi helfen lassen, nicht von fremden Schwestern. „Er ist doch mein Mann, das haben wir uns doch damals versprochen“, sagte sie oft. Vaddi kann das natürlich nicht, selbst mir geht sie inzwischen manchmal auf den Keks und er hat sie ständig um sich. Er bringt sie allerdings am Abend selber ins Bett. Mit Ausziehen und allem.

Aber es ist doch nicht so leicht, wenn man den etwas verschmierten Popo seiner Frau wischen soll, vor allem wenn man selber alt ist. Und auch der Popo ist alt.

 

Nein, so hatte ich es mir wirklich nicht vorgestellt.

Dass ich mehr und mehr Verantwortung für sie übernehmen muss, ok. Aber oft habe ich das Gefühl, sie können gar nichts mehr allein entscheiden. Ob sie an dem einen oder anderen Fest oder Ausflug teilnehmen. Ich wünsche mir oft, dass ich sie nicht antreffe, wenn ich nach der Arbeit ~ mal eben ~ bei ihnen vorbei komme. Dass sie da etwas anderes vorhatten. Aber sie haben nichts vor. Nicht, ohne mit mir darüber gesprochen zu haben. So unselbstständig kenne ich sie eigentlich nicht.

Mir ist auch hier noch gar nicht klar, was noch alles auf uns zukommt.

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