Meine Eltern werden alt – Teil 9

 Meine Eltern werden alt – Teil 9

 

Muddis Geburtstag im Mai sind wir bei meinem Neffen Max und seiner Frau Hella in Oldenburg eingeladen. Sie hatten ein schönes Fest im Garten vorbereitet, das bombastische Wetter hatten sie gleich mitbestellt.

Wir sollten gegen 15 Uhr dort sein. Ich brauche ungefähr 40 Minuten reine Fahrtzeit.

Ich war am Vormittag natürlich schon einmal im Heim, immerhin hat Muddi heute Geburtstag und ich kann sie anschließend zum Mittagessen bringen. Jedes Geburtstagskind darf sich dort an dem Tag etwas zum Essen wünschen und es gibt auf dem schön geschmückten Tisch eine Menuekarte, nur für den jeweiligen Bewohner.

Muddi hatte sich Schnippelbohneneintopf gewünscht.

Menuekarte: Menüsymbol Illustration

Dann versprach ich, am Nachmittag wieder zu kommen, denn ich hätte eine tolle Überraschung für Muddi. Ich hatte nichts von Oldenburg gesagt. Also bin ich dann frühzeitig wieder dorthin, Claus wollte mit seinem Auto gesondert fahren, weil es in meinem PKW für 4 Personen und Rollator ein wenig unbequem ist.

Zu meiner Überraschung waren beide Eltern bereits schön angezogen, saßen oben bei Muddi in der Wohnung und Vaddi wollte los.

Viel zu früh, eigentlich. Heute klappte das Einsteigen auch besonders gut und ich habe jetzt mehr als eine Stunde Zeit, um nach Oldenburg zu kommen. Aber zu früh wollte ich gar nicht da sein, Hella hat 2 kleine Kinder, will alles im Garten vorbereiten und ihr Mann kommt erst am Nachmittag von seiner Arbeit zurück. Also fahre ich mal viele Schlenker über Landstraßen, biege in den einen oder anderen kleinen Ort ein und auf Umwegen erreiche ich das Haus von Max und Hella. Da war dann die Überraschung wirklich groß, bei Muddi und Vaddi und auch bei Hella, wir waren immer noch sehr früh dort.

Ich bemerkte bei Muddi eine Erleichterung, weil wir bei Max und Hella angekommen sind.

Was hatte sie denn gedacht?

Ja, heute weiß ich, Überraschungen sind nichts mehr für Muddi. Sie ist ängstlich und möchte manche Dinge gar nicht mehr. Nun hatte sie gar keinen Einfluss darauf, vielleicht war schon der schön gedeckte Tisch in der Cafeteria zu viel, der Heimleiter und die Betreuer waren Gratulanten, sie bekam Geschenke, es sind auch einige Bewohner zu ihr hin, um zu gratulieren. Sie stand im Mittelpunkt und das wollte sie nicht.

Heute weiß ich das, aber heute, das ist zu spät!

 Muddi geburtstag.JPG

Es hat den beiden in Oldenburg dann aber ziemlich viel Spaß gemacht, vor allem hatten sie alle Urenkel um sich, damit hatten wir beim Umzugsüberreden ja auch immer wieder gelockt.

Es ist aber doch für Muddi mit der Lauferei ziemlich beschwerlich, sie ist noch nicht ganz so weit, wie wir erhofften. Sie vergisst einfach immer ihr linkes Bein mitzunehmen und der linke Arm    mitsamt der Hand wird auch kaum eingesetzt. Das behindert sie beim Festhalten am Rollator.

Da der Toilettenstuhl vom Heim nicht immer für Muddi verfügbar ist, kaufen wir für sie einen   eigenen Stuhl. Ohne Rollen, denn die Bremsen dieses alten Modelles halten sowieso nicht richtig und könnten wegrollen.

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