Meine Eltern werden alt – Teil 10

Meine Eltern werden alt – Teil 10

Anfang Juni beschlossen wir, Muddi an ihrem Schnappfinger an der linken Hand operieren zu   lassen. Den Schnappfinger hat sie schon lange. Sie hatte es uns früher im alten Haus bei unseren Besuchen schon oft demonstriert, wie der Finger schnappt, wenn sie die Faust wieder aufmacht. „Das solltest du aber mal operieren lassen“, hatten wir da immer gesagt. Muddi fand das Ganze aber eher lustig.

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Jetzt allerdings schnappt der Finger nicht mehr zurück. Die Ergotherapeutin schafft es manchmal, durch gezielte Handgriffe den Finger wieder gerade zu bekommen, aber sobald sie die Faust wieder schließt, bleibt der Finger krumm bis zur nächsten Ergotherapie. Und nun bekam auch die Therapeutin den Finger nicht mehr gerade.

Dafür musste ich mit ihr erst mal zum Orthopäden. Danach direkt in die Klinik für Handchirurgie. Nur ansehen und einen Termin zur Operation ausmachen. Das Warten im Wartezimmer wird zur Geduldsprobe. „Wieso bin ich noch nicht dran?“ Ich weiß eigentlich auch immer nicht, wieso.

„ Ich muss mal“. Also gehen wir zum Klo, in der Zeit weiß ich aber nicht, ob wir schon aufgerufen worden sind. In der orthopädischen Praxis ging das ja noch, weil wir am Anmeldetresen vorbei mussten. Wir kamen gerade von der Toilette zurück, da liefen wir dem Orthopäden direkt in die Arme. Ich war vor einiger Zeit bei ihm in Behandlung und er stellte bei mir eine linksseitige Spondylarthrose und eine Coxarthrose an der rechten Hüfte fest. Er empfahl Wassergymnastik und, sehr charmant, vor allem Gewichtsreduzierung. Aber Niemand erwartet charmante Lügen von   seinem Orthopäden.

„Schön“, sagte er zu mir, “sie haben ja gut abgenommen“. Ich hatte 10 Kilo seit Muddis   Schlaganfall verloren, ohne eine wirkliche Diät zu machen. Nun hatte ich allerdings 2 Kilo schon wieder drauf, weil ich mich mit Frustessen ein wenig tröste. Tendenz steigend, Gewichtszunahme und Frust.

Aber dann in der Klinik: „ Die haben uns bestimmt vergessen“. Wir waren aber auch nur ein eingeschobener Termin, ich hatte mich da schon auf eine längere Wartezeit eingestellt.

Ich, nicht Muddi.

Am Operationstag geht es eigentlich recht zügig. Wir sind pünktlich dort, erst mal einen Schlenker zum Klo. Dann anmelden und warten. „ Ich muss mal“. Ich sage einer wartenden Dame Bescheid, dass wir zum Klo sind, denn bei der Anmeldung ist Jemand drin und das Klo weit. Als wir wiederkommen, kommt uns der Operateur schon entgegen. Die Operation verläuft dann aber ohne weitere Zwischenfälle und ich kann Muddi mit einer dick verpackten Hand gleich wieder mitnehmen.

Leider ist die Hand über einen langen Zeitraum nach der Operation sehr dick, sodass sie den Plastikring, der den Finger gerade halten soll, gar nicht erst anbekommt. Als alles soweit abgeschwollen ist, ist der Finger schon wieder etwas krumm. Die Plastikschiene sitzt nicht so, wie es sein müsste und nachts verliert sie angeblich die Schiene im Bett und ich muss sie stundenlang suchen. Ich finde sie dann in der Nachttischschublade. Komisch.

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