Meine Eltern werden alt – Teil 7

Meine Eltern werden alt – Teil 7

Als ich mich neulich abends mit einem sehr netten Pfleger unterhalten habe, da sagte er mir, dass Muddi kognitive Störungen hat.

Blödmann! Das hat sie nicht! Sie ist zwar sehr vergesslich, kann auch wegen der linksseitigen   Parese ganz viele Sachen nicht, ist Stuhlinkontinent und laufen, ja das geht auch nicht mehr so gut, kann gar nicht so viel allein machen, aber kognitive Störung?

Er hat ja recht! Leider.

Wir bekommen vom Heim eine Einladung zum Angehörigentreff. Es ist am Abend um 19:30 Uhr. Claus erklärt sich sofort bereit, mitzukommen und ich melde uns an. Muddi und Vaddi besuchen wir an diesem Tag also kurz nach ihrem Abendbrot, da sitzen sie ja immer noch zusammen. Dabei erwähne ich, dass wir nachher zum Angehörigentreff gehen werden.

„Was ist das?“, fragte Vaddi. „Ach, das ist so was ähnliches wie ein Elternsprechtag, nur eben für uns Kinder“ versuche ich zu erklären.

„ Müssen wir dahin?“ fragte Muddi sehr ängstlich. „Nein“ beruhige ich sie, „da braucht ihr nicht hin. Ihr seid hier Bewohner, Claus und ich sind die Angehörigen.“

Der Treff war nicht ganz so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Gebracht hatte es uns jetzt nichts und Claus versprach schon im Auto auf der Rückfahrt, dass er da nicht mehr hingehen wird.

„So, waren wir brav und haben uns bis jetzt gut benommen?“ wollte Vaddi am nächsten Tag  wissen. Ich hatte zunächst keine Ahnung, wovon er spricht. „Na gestern beim Elternsprechtag“ meinte er. „ Ach nein, da ging es nur um Fenster, die zugig sind, was für neue Ausflüge geplant sind und welche Farbe das Krepppapier haben soll.“ Es ging wirklich nur darum. Und wann die Fassade gestrichen werden soll.

Vaddi atmete auf, sah aber trotzdem noch sehr skeptisch aus. Muddi vermittelte mir den Eindruck, ich sage nicht die ganze Wahrheit.

Bildung, Eine Gute Idee, Ein Array Von

Auf was für eine blöde Idee bin ich nur gekommen, als ich den Angehörigentreff mit einem Elternsprechtag verglichen habe. Muddi konnte von Elternsprechtagen ein Lied singen, sie hatte früher regelrecht Angst davor, weil sie schon wieder hören musste, wie faul wir waren, welchen Blödsinn wir, anstatt aufzupassen, verzapft hatten.

Ich glaube, sie hatten von da ab immer etwas Angst, dass sie sich nicht gut benehmen und wir das dann alle 6 Wochen gesagt bekommen. Ich hätte mehr nachdenken sollen, bevor ich so blöde Erklärungen abgebe.

Hab ich aber nicht!

Die Rentenversicherungen müssen die neue Adresse bekommen, die Krankenkasse muss benachrichtigt, Daueraufträge geändert, die Tageszeitung abbestellt, und noch so viele andere Dinge müssen erledigt werden. Alles ist sehr mühsam. Ich muss ständig herausbekommen, was sie so am Laufen haben, Vaddi ist mir da keine große Hilfe, obwohl er früher immer alles fein säuberlich abgeheftet hatte und auch immer genau wusste, was los ist. Aber das liegt sicher an dem Umzug schlechthin, er weiß ja eigentlich gar nicht genau, wo wir alle seine Dinge eingeräumt haben.

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